Dieses Land wurde nie verkauft

Yothu Yindi: Treaty (1991)

Zufällig erfährt eine Handvoll Ältester des Yolngu-Volkes im Jahr 1963, dass die Regierung ihr Land auf der Gove-Halbinsel im äußersten Norden Australiens zum Bauxit-Abbau freigeben will. Die Aborigines wollen das nicht hinnehmen. In zweifacher Ausfertigung reichen sie eine Petition ein: Sie malen sie mit Ocker auf eine Baumrinde und fügen ihr eine maschinengetippte englische Übersetzung bei. Die „Yolngu Bark Petition“ gilt heute als Meilenstein im Kampf um Landrechte. Die Yolngu verklagen das Bergbauunternehmen NABALCO und das Commonwealth of Australia, verlieren aber den Prozess. Der Richter sieht keine Möglichkeit, die Landrechte der Yolngu unter australischem Recht anzuerkennen. Doch die Initiative zeigt Wirkung: 1977 tritt der „Aboriginal Land Rights Act“ in Kraft. Die Aborigines im Landesteil Northern Territory bekommen einen großen Teil ihres Landes zurückübertragen und können dort die Vergabe von Schürfrechten selbst verhandeln.

1988 begeht Australien das 200-jährige Jubiläum der Ankunft der „First Fleet“ – den Beginn der Kolonisierung durch die britische Krone. Der Sohn eines der Autoren der Yolngu Bark Petition nimmt das zum Anlass für eine neue Initiative: Galarrwuy Yunupingu fordert Wiedergutmachung für den gescheiterten Prozess gegen die Mine. Als er Premierminister Robert Hawke auf den Jubiläumsfeiern im Örtchen Barunga eine Erklärung überreicht, versichert der: „Es wird einen Vertrag zwischen dem Australien der Aborigines und dem weißen Australien geben.“

Drei Jahre vergehen. Nichts passiert. Nun wird ein drittes Familienmitglied aktiv: Bakamana Yunupingu, Bruder des Verfassers der Barunga-Erklärung und Sohn des Autors der Rindenpetition, ist Sänger und Gitarrist in der Band Yothu Yindi. Seine Mitmusiker sind Aborigines und weiße Australier, sie spielen traditionelle Lieder und Popsongs. Yunupingu wird ungeduldig.

„Wann kommt der Vertrag? Welche Form hat er? Ich schrieb den Song ‚Treaty‘ als eine freundliche Erinnerung an uns alle“, sagt er später in einem Interview. Er singt: „This land was never given up/This land was never bought and sold.“ Und er singt einige Passagen in Yolngu-Matha, seiner Muttersprache. Bevor er als Sänger bekannt wurde, war er der erste indigene Schuldirektor Australiens. Er hatte eine eigene bikulturelle Lehrmethode entwickelt, die Aborigine-Kindern nicht die eigene Herkunft abtrainieren will, sondern nach Art beider Kulturen unterrichtet. In „Treaty“ singt er nun: „Now two rivers run their course/Seperated for so long/I’m dreaming of a brighter day/When waters will be one“. „Treaty“ wird zum ersten Hitparadenerfolg, in dem eine Aborigine-Sprache zu hören ist. Bekannter als das Original wird der Dance-Remix, in der die politisch scharfen Textpassagen aber nicht vorkommen.

Trotzdem kommt die Botschaft an, eine ganze Generation tanzt zu den Zeilen „Treaty yeah, treaty now!“ Der Guardian nannte den Remix einmal ein „trojanisches Pferd im Kulturkampf“. 1992 wird Yunupingu, wie vier Jahre zuvor sein um Landrechte kämpfender Bruder, zum Australier des Jahres gewählt. Er wird Ehrendoktor der Queensland University. Seine Band tourt um den Globus, tritt bei der Sydney-Olympiade und den Paralympics auf. Als Yunupingu 2013 stirbt, ist „Treaty“ in Australien längst zur inoffiziellen Hymne der Versöhnung geworden.

Der Song im Dance-Remix: https://youtu.be/2uszdyMaC2c

(Text: Martin Kaluza, Mai 2019)